Dezentral koordinierte Produktionssteuerung

5. Januar, 2008

In produzierenden Unternehmen bringt die Auftragsabwicklung täglich unerwartete Situationen mit sich: z.B. geänderte Kundenbestellungen (in letzter Minute), Ressourcenausfälle (zum ungünstigsten Zeitpunkt), Probleme mit (an sonsten zuverlässigen) Lieferanten u.s.w. Die erste Anlaufstelle ist in solchen Fällen meistens eine Abteilung, die als Produktionsplanung, Disposition, Scheduling oder ähnlich bezeichnet wird. Doch die Aufgaben dieses Bindeglieds zwischen Produktion und dem restlichen Betrieb sollten überdacht werden, meinen Prof. Toni Wäfler und seine Kollegen an der FH Nordwestschweiz und der ETH Zürich. Sie beschäftigen sich intensiv mit dem Zusammenspiel von Mensch und Organisation in der Produktionsplanung und kommen zu dem Schluss, dass Planungs- und Koordinationsaufgaben in verstärkten Maß an die Produktionseinheiten delegiert werden sollten.

Heutige Strategie vieler Unternehmen: Eine zentrale Planung soll alles im Griff haben, und versucht alle Eventualitäten in ihren Plänen zu berücksichtigen.

Die Probleme dabei:

  1. Was heute ein ausgezeichnet guter Plan ist kann morgen schon völlig falsch sein.
  2. Planungsabteilungen sind selbst auch Ressourcen und können nur in begrenzten Ausmaß Aufträge planen und steuern.
  3. Die Produktion kennt mehr Details und Anforderungen als die Planung und könnte schneller reagieren, wenn man sie nur lässt.

Daher der Vorschlag für die zukünftige Strategie:
“Dezentral koordinierte Produktionssteuerung”

Laut Prof. Toni Wäfler sollten die Produktionsplanungabteilungen den Produktioneinheiten eine eigenständige Steuerung ihrer Aufgaben ermöglichen. Daraus ergeben sich neue Aufgaben für die Planung:

  1. Ziele müssen harmonisiert werden: Meisterbereich- / arbeitsgruppenübergreifend!
  2. Zielerreichung muss gemessen und zurückgemeldet werden, möglichst schnell (d.h. wöchentlich!)
  3. Es muss ein Ausblick gegeben werden, auch wenn dieser mit Unsicherheit behaftet ist und mit einem sinnvollen Horizont
  4. Die Situation vor- / nachgelagerter Abteilungen muss ersichtlich sein.

Der vorgeschlagene Weg deckt sich mit den Empfehlungen von Prof. Helfrich (1.Teil), des Weiteren erklärt diese Theorie auch warum Dezentrale Produktion bei Trumpf Maschinen (2.Teil) oder Toyota so gut funktioniert.

Was in der Theorie einfach klingt, bedeutet in der Umsetzung natürlich einen gehörigen Mut zur Veränderung. Von Anfang an ist es erforderlich den Mitarbeitern die Änderung und Erweiterung ihrer Aufgaben zuzutrauen.

Dezentrale Produktion inklusive dezentral koordinierter Produktionssteuerung ist kein abstraktes, abgehobenes Konzept, sondern fundamentaler Bestandteil jeder funktionierenden Lean Manufacturing Strategie.

Referenzen:

Dieter Fischer, Toni Wäfler: Planung darf nicht behindern – Auftragsabwicklung nachhaltig optimieren, erschienen im Organisator 3/2004

Toni Wäfler. Distributed but Coordinated. Paper presented at: Third Workshop on Human Performance in Planning and Scheduling, 2001, Saint John’s, Newfoundland, Canada

Teil 1: Wozu brauchen wir überhaupt noch ein PPS-System?

Teil 2: Dezentrale Produktion bei Trumpf Maschinen

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