Dezentrale Produktion bei Trumpf Maschinen
17. September, 2007
Trumpf ist eines der Unternehmen Europas, das Lean Manufacturing wirklich umfassend und erfolgreich praktiziert. Die Umstellung von Standplatzmontage auf Fließfertigung ist wohl das plakativste Beispiel für den Wandel, den Trumpf in den vergangenen Jahren vollzogen hat. Die Erfolge sind weit über die Unternehmensgrenzen hinweg bekannt, nicht zuletzt aufgrund der Präsenz bei zahlreichen Veranstaltungen und Tagungen. Etwa beim Symposium Drehmoente.2007 am 15. Mai 2007 im Museum Arbeitswelt in Steyr, bei dem sich alles um erfolgreiche Produktionskonzepte drehte (Review im AC-quarterly Seite14).
Auf die Umsetzung anderer Aspekte wie Just in Time, One Piece Flow und Kaizen möchte ich nicht näher eingehen. Im Rahmen meiner Serie beschränke ich mich auf die dezentrale Produktion.
Der Unterschied zu vergangenen Tagen wird von Trumpf folgender Maßen charakterisiert:
Früher:
* Zentralisierung aller Funktion in Abteilungen
* Zentrallager
* Zentrale SteuerungHeute:
* Kleine, autarke Einheiten
* Logistikzentrum und dezentrale Warenhäuser
* alle notwendigen Funktionen integriert
Funktionseinheiten sind dabei als überschaubare Produktionsbereiche definiert,
* die Endprodukte oder klar abgrenzbare Teile von Endprodukten produzieren
* in die weitgehend alle direkten und indirekten Funktionen der Produktion integriert sind
* in denen Gruppenarbeit und KVP praktiziert wird
* die selbstverantwortlich, selbstorganisierend und selbstoptimierend sind
Das heißt nicht, dass dabei das Gesamtoptimum auf der Strecke bleibt! Im Gegenteil, die Integration aller wesentlichen Funktionen in diesen Gruppen bewirkt nachweislich eine Verbesserung! Damit alle Gruppen am gleichen Strang ziehen gibt es SYNCHRO – das Trumpf Produktionssystem:
Die Trumpf Eigendefinition davon lautet:
SYNCHRO ist ein methodisches Vorgehen, um systematisch Verschwendung zu erkennen und zu beseitigen. Dabei verfolgen wir drei Prinzipien:
1. Wir produzieren genau zur richtigen Zeit nur das, was gerade benötigt wird. Denn Überproduktion ist die größte Verschwendung.
2. Dies gelingt uns nur, wenn wir in sicheren Prozessen stets einwandfreie Qualität herstellen.
3. Grundlage jeder Verbesserung ist das Einbeziehen des Wissens und der Kreativität aller unserer Mitarbeiter.
Ein wesentlicher Bestandteil des Produktionssystems sind einheitliche Standards, denn mit Produktion in dezentralen Gruppen ist nicht gemeint, dass jeder in seiner Suppe kocht und ständig das Rad neu erfindet, gemäß dem Motto “Management by Frank Sinatra – I did it my way”. Standards bedeuten, dass es nur einen Weg gibt, wie bestimmte Aufgaben erledigt werden – nämlich ohne Verschwendung.
Mittels Kanban , lokale Warenhäuser, und Gruppenverantwortlichkeit wird vieles gesteuert, das anderswo mehr schlecht als recht über ein zentrales PPS läuft. Das heißt nicht, dass man auf IT verzichtet. Trumpf ist SAP Kunde und setzt u.a. SAP PLM zum Produkdatenmanagement ein.
Es war ein weiter Weg den Trumpf gegangen ist, und auch den dazu nötigen Aufwand sollte man nicht unterschätzen, z.B. unterstützen heute 70 SYNCHRO Spezialisten (2,5% der Beschäftigten in der Produktion!) die Produktionseinheiten und beschäftigen sich mit der Weiterentwicklung des Produktionssystem. Angesichts der Gewinne, der Mitarbeiterproduktivität und vieler anderer weit über dem Branchendurchschnitt liegender Kennzahlen sind die Erfolge von Lean Manufacturing bei Trumpf für jeden offensichtlich.
Die in Teil 1 – Wozu brauchen wir überhaupt noch ein PPS-System vorgestellten Ideen mögen manchem als sehr radikal erscheinen, und im Einzelfall als nicht umsetzbar. Unternehmen wie Trumpf beweisen in meinen Augen dass es funktionieren kann, und zwar in jedem erdenklichen Umfeld!
Referenzen:
Imagefolder SYNCHRO BEI TRUMPF
McK Wissen 15, Seite 43: Alles fließt
Trumpf Express Volume 3, 2007 Seite 30: Lean Manufacturing Q&A
Update: 5.Jänner 2008
Entry Filed under: Lean. Schlagwörter: Lean, Lean Manufacturing, Manufacturing.


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